Vesterhavet og kliterne

Ein paar Tage im Juni.

Zeit, um einen alten Traum wahrzumachen.

In den Rucksack kommt, was ich für ein paar Tage zu brauchen glaube: Isomatte, Schlafsack, Kochgeschirr und noch ein paar Kleinigkeiten.

Mit dem Zug geht es von Lübeck über Flensburg und Esbjerg nach Oksbøl. Hier fängt die Wanderung an:

Zuerst versorge ich mich in einem kleinen Supermarkt mit ein paar Lebensmitteln und vor allem mit Wasser. Der Rucksack wird so um einige Kilo schwerer.

Die Ål Klitplantage und der Heidestrich Sølager westlich von Oksbøl gehören zu einem Übungsgebiet für das dänische Militär. Einige Bereiche sind abgesperrt, andere trotz offensichtlichem Betrieb frei zugänglich. (Lektion I gelernt: Die Schießzeiten sind im Internet öffentlich einsehbar ; )

Ganz zu Beginn habe ich einigermaßen Schwierigkeiten meinen Standort auf der Karte zweifelsfrei festzustellen – also gehe ich ersteinmal in die Irre. GPS kommt nicht infrage: das Mobiltelefon bleibt aus. Stromsparen mit der Quizfrage: Wie lange und wie weit reicht eine Akkuladung ?

Nach einiger Zeit erreiche ich südöstlich von Grærup einige markante Landschaftspunkte – ab hier kann ich dann  sicher navigieren. Der Generalkurs führt für den Rest der Reise Richtung Nord – die Dünen, der Wind und das Rauschen der Nordsee im Westen bleiben in den nächsten Tagen eine perfekte Wegmarkierung. Der Kompass kann in der Tasche bleiben.

Das ‚Dörfchen‘ Grærup besteht aus wenigen verstreuten Häusern, alle mit verblendeten Fenstern und angespaxten Holzplatten vor den Türen. Die Heidelandschaft links und rechts ist von schwerem Gerät zerfurcht. Militärische Fahrzeuge sind unterwegs:  Geländewagen, schwere Tieflader, LKW –  in der Ferne tackern MG ihre Salven in die Dünen, Kolonnen von Soldaten mit Kampfgepäck marschieren irgendwo hin – es herrscht Betrieb. Auch Touristen fahren zuhauf durch diese Gegend. Weiter westlich und südwestlich liegen die bekannte Touristenorte Grærup Strand, Vejers Strand und Blåvand.

Spätestens an dieser Stelle geht mir auf, dass Photographieren und der Wanderrucksack in Konkurrenz stehen. Mit dem Gewicht auf dem Rücken ist mir eine dauerhafte vernünftige Motivsuche unmöglich.

Wenig später erreiche ich den ersten Wegpunkt auf der Karte: Brikby. Ein kleines Übungsdorf für militärische Ausbildung hat in der Vorbereitung die Hoffnung auf vielversprechende Motive geweckt. Nur: Auch hier wird Krieg gespielt. Die Beschilderung warnt vor scharfen Manövern – und tatsächlich fallen in der Anlage immer wieder Schüsse. Da ich bei dieser Übung nicht aktiv  teilnehmen will, umgehe ich die Anlage weiträumig. Der Umweg wird belohnt: Eine riesige Herde Damwild zeigt sich auf einer Lichtung.

In der Kærgård Klitplantage finde ich den Lagerplatz. Ein großer Rundbau überdacht sechs ( ! ) Feuerstellen und etliche Bänke mit Tischen. Für einen normalen Zeltplatz eine monumentale Ausstattung.

Ankommen…

Im Gelände nebenbei finde ich gleich mehrere gute Stellen um das Tarp aufzustellen.  Zuerst ist es noch ungewohnt, schließlich bin ich mit dem Ort und der Abspannung zufrieden und kann mich um das leibliche Wohl kümmern. (Lektion II: In eine mobile Küche gehört Salz ! Ich denke, das war mein schwerster Fehler bei dieser Wanderung …)

Nach dem Abendbrot habe ich noch genügend Energie um den Weg zum Strand zu erkunden. Die zusätzlichen Kilometer werden mit einem tollen Ausblick über die Dünen auf die Kærgård Bake belohnt. Wie ich in der späteren Recherche herausfinde, gab es insgesamt dreiundzwanzig dieser  Seeschifffahrtszeichen an der dänischen Westküste. In Zeiten satellitengestützter Navigation wurden alle samt und sonders außer Betrieb genommen. Elf von ihnen wurden unter Denkmalschutz gestellt und können heute immer noch gefunden werden.

Kærgård Bake, 55°41’34,58“N 008°9’23,27“O
… und dann endlich Nordsee …

Hinterlasse einen Kommentar